Oktoberfest 2022 - Endlich wieder Wiesn!

Peter Inselkammer, Sprecher der Wiesn Wirte und Eigentümer der Platzl Hotels im Interview zum Oktoberfest 2022.

Die Wiesn hautnah zu erleben ist für den Eigentümer des Armbrustschützenzeltes und Sprecher der Wiesn-Wirte Peter Inselkammer eine seiner größten Leidenschaften. Nach zwei Jahren Zwangspause geht es für ihn endlich wieder los. Doch lässt sich der Motor des Oktoberfests einfach wieder starten? Was gibt es Neues in diesem Jahr? Und welches ist der ganz persönliche Gänsehautmoment des passionierten Wiesn-Wirts? Für uns gibt beim Thema Oktoberfest kaum einen besseren Ansprechpartner. Umso mehr freut es uns, dass er uns einige Fragen zur diesjährigen Wiesn beantwortet hat.

 

Herr Inselkammer, danke für Ihre Zeit! Dieses Jahr findet nach zwei Jahren Zwangspause endlich wieder das Oktoberfest statt. Die Sehnsucht war sicher groß! Wie haben Sie und die anderen Wirte die lange Durststrecke überbrückt? Tat die Pause vielleicht sogar gut, um neue Ideen zu bekommen?

Ich weiß, man sollte hin und wieder auch innehalten und reflektieren, aber dafür reicht mir die reguläre Pause zwischen den einzelnen Oktoberfesten. Die zwei Jahre empfand ich eindeutig als zu lang und es fällt mir ehrlicherweise auch schwer, dieser Zeit etwas Gutes abzugewinnen. Zur Langeweile gesellten sich in beiden Ausfall-Jahren Phasen der Ernüchterung. Die Vorbereitungen fangen schon im Februar an, es steckt viel Herzblut und Arbeit drin, doch dann wussten wir in beiden Jahren länger nicht: Dürfen wir, dürfen wir nicht? Fast würde ich sagen, hat die Hoffnungauf die Wiesn uns über die Durststrecke getragen, denn die war immer gleichermaßen bis zur Absage, oder wie jetzt – bis zur Zusage – da. 

Beschäftigt haben wir uns gleichzeitig mit dem Gedanken, wie man im Falle eines Ausfalls trotzdem über die Runden kommt. Man kann sich ja vorstellen, dass trotz Absage hohe Kosten anfielen, denen aber keine Einnahmen entgegenstanden. Die Wirte konnten die Einbußen dazu auch nicht mit ihren regulären Gastro-Betrieben auffangen – die standen größtenteils ja auch still. Damit umzugehen war eine kreative Herausforderung für alle Beteiligten.

Wenigsten haben wir im Spätsommer 2020, als dann für einige Monate die Einschränkungen gelockert wurden, relativ kurzfristig die WirtshausWiesn aus dem Boden gestampft. Ein schönes Projekt, das uns ordentlich beschäftigt hat und auf das wir stolz sein können. 

 

Dieses Jahr also wieder "richtige" Wiesn! Ist man nach der langen Zeit noch voll drin im Thema oder muss man erst den Rost abschlagen?

Im Thema sind wir auf jeden Fall drin, unsere Gedanken um die Wiesn sind Jahr für Jahr weitergegangen. Etwas Rost kann ich aber nicht ausschließen – vielleicht werden sich ein paar Prozesse verkomplizieren, weil wir einfach nicht mehr so routiniert sind und personell dürfte es auch ein paar Änderungen geben: z. B. teilweise neue Ansprechpartner und etwas andere Teams bei den Partnern. Sobald der Aufbau losgeht, werden wir sehen, wie sich das auswirkt.

Die größte Herausforderung stellt momentan aber die globale Rohstoffkrise dar. Simple Bestandteile, die wir sonst nur bestellen mussten, sind einfach nicht mehr ohne Weiteres lieferbar. Da heißt es, Dinge neu denken, und hoffen, dass es genauso funktioniert.

 

In diesen zwei Jahren ohne Wiesn hat sich gesellschaftlich eine ganze Menge getan. Muss sich auch die Wiesn neu erfinden oder machen die Wirte genau da weiter, wo sie vor zwei Jahren aufgehört haben? 

Ich denke, die Wiesn erfindet sich immer ein Stückchen neu. Jedes Jahr verändert sich ein bisschen was, wir lernen daraus und versuchen uns kontinuierlich zu verbessern. Ein Wiesnzelt ist nichts anderes als ein Wirtschaftsunternehmen – und in der Wirtschaft gilt bekanntlich: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!“

Ein großes Thema aktuell ist Nachhaltigkeit und da sehe ich die Wiesn in manchen Punkten durchaus als Vorreiter. 2019 gab es bereits klimaneutrale Zelte, die Stadt München liefert 100 % Ökostrom, und im Vergleich zur Größe und der Menschenmenge hält sich die Müllproduktion ganz klar in Grenzen. Was die Lebensmittel angeht, legen alle Betreiber inzwischen einen Fokus auf Herkunft sowie kurze Transportwege und auch vegetarische oder vegane Alternativen stehen vermehrt auf den Speisekarten.

 

Welche konkreten Neuerungen wird es im Armbrustschützenzelt geben?

Wir starten dieses Jahr zum Beispiel mit einem neuen elektronischen Abrechnungssystem. Anders als in einem Restaurant, kann man solche Modernisierungen auf der Wiesn nicht tröpfchenweise einführen und gewissenhaft testen, sondern muss hoffen, dass es einfach genauso funktioniert, wie man es sich vorgestellt hat. Aber keine Sorge: Zur Sicherheit haben wir unsere alten Prozesse noch parat und könnten, wenn alle Stricke reißen, auch „hybrid“ laufen.

Außerdem haben wir unser Reservierungssystem digitalisiert. Inzwischen sind Online-Reservierungen möglich, und zum Beispiel sogar die Zahlung der vorbestellten Tische per PayPal. Das war schon ein großer Schritt!

Die Umstellungen haben nicht ausschließlich ihren Ursprung in der Pandemie. Diese Dinge waren schon lange geplant bzw. beispielsweise durch Auflagen in der Finanzverwaltung notwendig. Trotzdem hat sich die Umsetzung jetzt angeboten, weil während der Pause Zeit dafür war.

 

Also wird auch das traditionsbewusste Armbrustschützenzelt immer digitaler. Können Sie sich vorstellen, dass es irgendwann eine hybride Wiesn mit virtuellen Elementen gibt?

Es wurde 2020 tatsächlich versucht, eine digitale Version der Wiesn zu vermarkten. Ich war zwar nicht involviert und kenne keine genauen Zahlen, aber offensichtlich war die Nachfrage nicht da. Auch ein hybrides Format der Wiesn kann ich mir kaum vorstellen. Die Wiesn lebt von der Stimmung und davon, dass man mit Freunden eine gute Zeit hat oder auch mit wildfremden Leuten zusammenkommt. Wer das echt Wiesn-Gefühl will, der muss auch ins Bierzelt gehen!

Wo ich mir digitale Formate vorstellen kann, ist im Schaustellerbereich. Soweit ich weiß, gibt es bereits virtuelle Achterbahnen, die man dank 3D-Brille täuschend echt erleben kann. Solche und ähnliche Dinge entwickeln sich rasant weiter und könnten auch mehr und mehr auf Volksfesten erscheinen.

 

2019 waren 6,3 Millionen Besucher auf dem Oktoberfest, der Rekord liegt bei 7 Millionen. Der Erfahrung nach trinkt eine Person dort durchschnittlich etwas mehr als einen Liter Bier. Mit welchem Andrang und Bierkonsum rechnen die Wiesnwirte dieses Jahr?

Wir rechnen tatsächlich mit ähnlichen Zahlen wie 2019. Seit wir wissen, dass die Wiesn stattfindet, hat sich die Nachfragesituation nochmal deutlich verstärkt. Das Interesse ist da!

 

Denken Sie, es wird eine geografische Verschiebung in der Gästestruktur geben? Also etwa mehr lokale und weniger internationale Gäste? Und wenn ja, ändert das auch die Art und Weise wie z. B. das Unterhaltungsprogramm gestaltet sein wird?

Ich denke die Nachfrage aus unserem Raum war schon immer Haupttreiber. Internationale Gäste kommen vielleicht für ein bis zwei Tage – die Münchner bestimmt auch öfter. Auszugehen ist aber in jedem Fall davon, dass das internationale Publikum dieses Jahr weniger stark zurückkommt, weil das Fliegen teurer geworden ist und es doch noch einige Reisebarrieren gibt. Vielleicht treibt es genau dadurch die Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wieder mehr auf die Wiesn – und insbesondere die Münchner. Die Leute haben und wollen viel nachholen, das sieht man aktuell auf dem Frühlingsfest.

Am Unterhaltungsprogramm wird sich dadurch nichts ändern, wir haben die Wiesn auch die Jahre zuvor nicht extra an das internationale Publikum angepasst.

 

Was machen Ihre Stamm-Mitarbeiter nach der langen Zwangspause? Sind diese wieder mit dabei oder müssen Sie das Personal jetzt neu aufbauen?

Neu aufbauen müssen wir das Team nicht! Wir haben auch rechtzeitig abgefragt, wer wieder dabei sein möchte und der Großteil unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird zurückkommen, während es so und so jedes Jahr einige Neuzugänge gibt!

Was man bedenken sollte: Wir als Wiesnzelt sind nichts anderes als ein Arbeitgeber und die Attraktivität als Arbeitgeber muss selbstverständlich auch hier gegeben sein! Selbst wenn man nur zweieinhalb Wochen im Jahr zusammenarbeitet, entsteht doch eine Verbundenheit zum Unternehmen und den Kollegen. Vor zwei Wochen haben wir noch ein Mitarbeiterfest für unsere Mitarbeiter aus 2019 veranstaltet. Das machen wir normalerweise nach jeder Wiesn, doch wir wollten diesmal die Stimmung vorweg schon einmal einfangen. Dabei haben wir gemerkt, wie sofort wieder ein Gemeinschaftsgefühl aufgekommen ist. Sowas ist Gold wert!

 

Letzte Frage: Gibt es ein persönliches Highligt für Sie auf der Wiesn?

Ich persönlich habe zwei Highlights. Das erste ist der Einzug der Wiesnwirte zum Auftakt. Da kommt eine unvergleichliche Stimmung auf. Die Verantwortlichen und Mitarbeiter sind voller Vorfreude und Spannung, weil so viel Arbeit hineingesteckt wurde. Die Gäste ergattern sich frühmorgens die begehrten Plätze, müssen sich bis zum Fassanstich aber einige Stunden mit Wasser begnügen, was die Vorfreude natürlich auch bei ihnen schürt. Der Fassanstich ist für mich – auch wenn ich das schon seit einigen Jahre mache – jedes Mal ein sehr emotionaler und besonderer Moment.

Mein zweites Highlight ist das Platzkonzert der Wiesnwirte vor der Bavaria mit der Bayernhymne am Ende. Ich kann mich nicht erinnern, dass hier schon mal schlechtes Wetter herrschte. Der weiß-blaue Himmel dient als passende Kulisse und was dort an Menschenmassen zusammenkommt, ist schon einzigartig – eine stimmungsvolle Tradition, die ich nicht missen möchte.

Ebenfalls traditionell und ein Event speziell für alle, die sich für bayerisches Brauchtum interessieren, ist der Trachten- und Schützenzug am ersten Wiesnsonntag. Dort sind wahnsinnig viele Schützen- und Trachtenvereine aus ganz Bayern dabei. Immer wieder sehr schön anzuschauen.

Dann hätte ich noch einen kleinen Geheimtipp von Wiesnwirt zu Gast: Es gibt keine bessere Zeit für einen Besuch auf dem Oktoberfest als am Sonntagmittag. Da herrscht eine ganz andere Atmosphäre als etwa am alkoholgeschwängerten Samstag-Abend. Ich nenne sie mal eine „münchnerische Stimmung“. Anschließend kann man noch ins Teufelsrad – da gehe ich auch oft hin, das ist wirklich eine Gaudi! Abschließend eine Fahrt mit dem Riesenrad und man kann sich die gesamte Wiesn von oben anschauen.

Ich könnte hier bestimmt noch eine Stunde weitererzählen. Die Wiesn hat so viel zu bieten, man muss es mal erlebt haben – da geht’s einfach auch um das Gesamtkonzept!

 

Vielen Dank für Ihre Zeit, Herr Inselkammer. Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Oktoberfest-Saison!

Vielen Dank! Wir feuen uns darauf, viele Leser im Zelt wiederzutreffen!

 

Gerne können Sie unter dem folgenden Link ein Tisch in unserem Armbrustschützenzelt reservieren.

Ob zum München-Besuch während der Wiesn oder für Events mit "Oktoberfest-Motto" haben wir schöne Angebote für Sie! Für Veranstaltungsanfragen in den Platzl Hotels steht Ihnen gerne unser Veranstaltungsteam per E-Mail zur Verfügung.